Chronischer Stress stoppt die körperlichen Regenerationsmechanismen

Stress fühlt sich unangenehm an aber vermeiden können wir ihn nicht, denn der Mechanismus ist in uns verankert. Mittlerweile ist sogar bekannt dass kurzweilig aktiver Stress regenerationsfördernd sein kann.
Ein bischen davon brauchen wir ja. Denken wir zurück an unsere Steinzeit Ahnen und was sie alles bewältigen mussten. Dank der Entdeckungen und Erfindungen , die sich im Zuge ihrer Herausforderungen entwickeln mussten (weil jedes Wesen diesen Drang zum Überleben hat ), geniessen wir heute diesen Komfort. An dem Mechanismus in uns hat sich nichts geändert. Aber die Stressoren sind heutzutage ganz anders als damals. Ganz abgesehen vom Informationsfluß im Alltag, die Medien. Kommt dann noch frühkindliche Belastung hinzu, dann hat das Ganze nochmal eine andere Qualität.

Stress schreibt mit: Wie Epigenetik die Autophagie in deinen Zellen steuert

Die Forschung zeigt dass frühkindlicher Stress die Gene beeinflußt. Deswegen ist wahrscheinlich in manchen Fällen die Reaktion auf bestimmte Stressoren ganz anders. Dadurch bedingte Erschöpfung kann sich anfühlen wie ein Zustand ohne erkennbaren Auslöser. Du schläfst, isst einigermaßen vernünftig, und trotzdem bleibt der Akku leer. Ein Grund dafür kann tiefer liegen als Schlaf oder Ernährung allein, nämlich auf der Ebene deiner Zellen, genauer: bei einem Prozess namens Autophagie, und wie chronischer Stress ihn über epigenetische Mechanismen aus dem Takt bringt.

Was Autophagie eigentlich ist

Autophagie bedeutet wörtlich „Selbstverzehr“. Zellen bauen damit beschädigte Proteine, dysfunktionale Zellorganellen und andere Abfallprodukte ab und recyceln sie zu neuem Baumaterial. Ein internes Reinigungs- und Reparaturteam , das ständig im Hintergrund arbeitet. Dieser Prozess ist evolutionär uralt und dient in erster Linie dem Schutz der Zelle: Er hält das Gleichgewicht aufrecht, wenn Nährstoffe knapp werden, wenn Zellstress auftritt oder wenn beschädigte Bestandteile entsorgt werden müssen.

Wenn Autophagie dauerhaft gestört ist, egal ob zu schwach oder chronisch überaktiviert, wird das mit einer ganzen Reihe degenerativer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Besonders gut untersucht ist das bei neurodegenerativen Prozessen.

Epigenetisch codierte Stressreaktion und Autophagie

Epigenetik beschreibt, vereinfacht gesagt, wie Gene an- oder abgeschaltet werden, ohne dass sich die DNA-Sequenz selbst verändert. Zwei zentrale Mechanismen dabei sind:

Beide Mechanismen wirken wie ein Dimmer-Schalter für Gene, die für den Autophagie-Prozess wichtig sind. Und genau hier kommt Stress ins Spiel.

Stress programmiert Autophagie-Gene um

Wenn Zellen unter Energie- oder Nährstoffstress geraten, wird die stressbedingte Genaktivierung angestoßen. Mit dem Ergebnis dass die Autophagie gedrosselt wird. Zellulärer Energiemangel, wie er bei anhaltendem Stress oder Erschöpfungszuständen auftreten kann, hinterlässt buchstäblich eine Spur.

Die HPA-Achse und das Cortisol

Der zweite große Hebel ist die Stressachse selbst. Bei psychischem oder körperlichem Stress wird die Cortisolausschüttung in den Nebennieren angeregt.

Chronischer oder früh im Leben erlebter Stress kann jedoch zu einer Veränderung wichtiger Gene führen und die Andockstellen von Cortisol im Körper können vermindert sein. Was mit dauerhaft erhöhten Cortisolspiegeln verbunden ist und mit einer verlangsamten Erholung der Cortisolwerte nach akuter Belastung. Diese epigenetische Umprogrammierung der Stressachse ist einer der am besten dokumentierten Befunde der Stress-Epigenetik überhaupt und wurde unter anderem bei früher Traumatisierung, aber auch bei alltäglichen sozialen Stresstests bei Jugendlichen nachgewiesen.

Cortisol selbst greift an vielen Stellen in die Autophagie-Regulation ein. Also in die Aufräum- und Reparaturkapazität.

Warum das für chronische Erschöpfung relevant ist

Bei Myalgischer Enzephalomyelitis / Chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) wurden epigenetische Veränderungen der Cortisol-Sensitivität beschrieben, ein Hinweis darauf, dass die Stressachsen-Dysregulation, die bei diesem Krankheitsbild häufig beobachtet wird, auch epigenetisch verankert sein kann. Das kann bei einer Post-Exertional Malaise (PEM), Entzündung und Immunregulation mit betreffen.

Auch das Immunsystem selbst zeigt eine Verbindung zwischen Stress und Autophagie: In tierexperimentellen Untersuchungen erhöhte chronischer Stress die Autophagie-Aktivität in der Milz und trug dort, zu einer Drosselung der Immunfunktieon bei. Ob und in welchem Ausmaß sich das auf den Menschen übertragen lässt, ist noch offen, aber es liefert eine plausible Erklärung dafür, warum Menschen unter chronischem Stress anfälliger für Infekte werden und sich schlechter erholen.

Was das für dich bedeuten kann

Wichtig ist: Diese Forschung ist noch jung, und viele Mechanismen sind bislang vor allem in Zell- und Tiermodellen gezeigt worden. Sie liefert trotzdem ein biologisch plausibles Bindeglied zwischen dem, was viele Menschen mit chronischer Erschöpfung erleben, nämlich dass sich Stress „in den Zellen festsetzt“, und dem, was auf molekularer Ebene messbar ist. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die Stress-Achse, den Energiehaushalt und die individuellen Stressmuster, wenn Erschöpfung im Raum steht.

JETZT KOSTENFREIES ERSTGESPRÄCH SICHERN


Quellen

  • Stress – (self) eating: Epigenetic regulation of autophagy in response to psychological stress. PMC7116062.
  • Glucocorticoid receptor gene (NR3C1) DNA methylation in association with trauma, psychopathology, transcript expression, or genotypic variation: A systematic review. ScienceDirect.
  • Glucocorticoid receptor gene methylation and HPA-axis regulation in adolescents (TRAILS study). ScienceDirect.
  • Epigenetic modifications and glucocorticoid sensitivity in Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS). PMC5324230.
  • Precision Medicine Study of Post-Exertional Malaise Epigenetic Changes in ME/CFS Patients During Exercise. PMC12429597.

Perfektionswettlauf und Mitochondrien

Was Perfektionswettlauf und Mitochondrien miteinander zu tun haben

Gerade wurde bekannt, dass Ariana Grande wegen Kritik an ihrem Körper beschlossen hat, sich bis auf weiteres aus der Öffentlichkeit zurückzunehmen. Die Musikerin gilt in vielen Medien als prominentes Beispiel für die Nutzung von Abnehmspritzen wie Ozempic. Dabei sind Ariana Grande, Demi Moore und viele andere Prominente eigentlich nebensächlich. Im Mittelpunkt steht hier ein strukturelles Problem: der enorme gesellschaftliche Perfektionsdruck auf Frauen.

Die aktuelle Entwicklung ist nach meinem Empfinden sehr destruktiv. Social Media scheint ein einziger virtueller Ort der ewig Jugendlichen über 50-Jährigen mit Waschbrettbäuchen zu sein. Auf den Bildschirmen dominiert das Bild der perfekten Mutter, der erfolgreichen Karrierefrau, der empathischen Partnerin und der stets organisierten Haushaltsmanagerin mit Sixpack. Dazu kommen Proteinpower-Rezepte ohne Ende, obwohl diese Ernährungsausrichtung für diverse Personen ungeeignet ist. Das gilt erst recht für chronisch erschöpfte Menschen.

Was passiert, wenn das System durch jahrelangen Perfektionsdruck und chronischen Mental Load permanent überlastet wird? Die Zellen schalten in einen evolutionären Schutzmodus um, den Forscher als Hypometabolie bezeichnen (Eine Art zellulären Winterschlaf.)

Eine interessante Studie( Naviaux-Studie) veröffentlicht im Fachjournal PNAS („Proceedings of the National Academy of Sciences“)
, hat genau diesen Zustand der Hypometabolie bei schwerer chronischer Erschöpfung nachgewiesen. Um sich vor der endgültigen Zerstörung durch Dauerstress zu schützen, drosseln die Mitochondrien ihre Energieproduktion drastisch.
Für uns Frauen bedeutet das: Die bleierne Erschöpfung, die viele von uns spüren, ist ein realer Treibstoffmangel auf Zellebene. Der Körper verweigert schlicht den Dienst in einem System, das keine Pausen vorsieht.

Das entzündete Gehirn – Wenn Perfektionsdruck zu „Brain Fog“ wird

Fast jede Frau, die am Rande der chronischen Erschöpfung steht, kennt diesen Zustand. Wir nennen ihn umgangssprachlich Gehirnnebel oder Brain Fog. In einer Leistungsgesellschaft, die von Frauen fehlerfreie kognitive Höchstleistungen im Multitasking-Modus erwartet, wird dieser Nebel schnell als persönliches Versagen interpretiert. Doch die Biochemie zeigt uns ein völlig anderes Bild: Der Nebel im Kopf ist das Resultat einer messbaren Neuroinflammation (Entzündung im Gehirn).

Entzündungsbotenstoffe bleiben eben nicht im Körper.Sie überwinden die Blut-Hirn-Schranke. Im Zentralnervensystem aktivieren sie die sogenannten Mikrogliazellen, das körpereigene Immunsystem des Gehirns. Wie das Fachjournal International Journal of Molecular Sciences detailliert in einer Arbeit über die molekularen Mechanismen der Neuroinflammation beschreibt, führt diese Aktivierung zu einer chronischen, unterschwelligen Entzündung des Nervengewebes. Der Gehirnnebel ist also kein psychologisches Tief, sondern die logische biochemische Quittung.

Wenn wir gesellschaftliche Strukturen schaffen, die nicht nur Frauen systematisch ausgrenzen, sondern auch marginalisierten Gruppen wie zB Angehörige der BiPoC Community nicht als gleichwertig akzeptieren, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich chronische Erschöpfungsfälle häufen.

Auch Fibromyalgien, Migräne uvm tauchen gerne als Begleiterscheinung auf. Und das sehr gerne in Verbindung mit hormonellen Dysbalancen.

Der optimierte Körper – Wie Social Media und ästhetischer Druck die Zellen stressen

Der gesellschaftliche Perfektionsdruck auf Frauen greift tief in die Wahrnehmung des eigenen Körpers ein. Durch Plattformen wie Instagram und TikTok werden Frauen rund um die Uhr mit algorithmisch gefilterten, scheinbar makellosen Körpern, Diät-Trends und „Self-Care“-Routinen konfrontiert, die in Wahrheit oft nur eine weitere Form der Selbstoptimierung sind. Der Druck, nicht nur alles perfekt zu machen, sondern dabei auch noch perfekt, jung und fit auszusehen, erzeugt einen permanenten Zustand des inneren Mangels.

Diese ständige visuelle Konfrontation führt zu dem Phänomen der „chronischen Objektivierung“: Frauen betrachten sich ununterbrochen durch den kritischen Blick von außen. Psychologisch führt dies zu Scham und Versagensängsten . Biochemisch ist es ein Brandbeschleuniger für die HPA-Achse. Das Gehirn unterscheidet nicht, ob wir vor einem wilden Tier fliehen oder ob unser Selbstwertgefühl durch den täglichen Blick auf Social Media bedroht wird. Die Amygdala schlägt Alarm und der Cortisolspiegel schießt in die Höhe.

Dieser spezifische psychosoziale Stress durch Schönheitsideale hinterlässt messbare Spuren im Körper. Eine im Fachjournal Brain, Behavior, and Immunity veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass der Stress durch soziale Evaluation und das Bedürfnis nach sozialer Akzeptanz die Ausschüttung von entzündungsfördernden Zytokinen (wie IL-6) massiv ankurbelt. Wenn wir uns also täglich durch Instagram scrollen und uns unbewusst für unseren eigenen, müden Körper verurteilen, füttern wir genau die Entzündungsprozesse, die unsere Fatigue verschlimmern. Der ästhetische Perfektionsdruck schneidet Frauen doppelt ab: Er raubt ihnen über die Neuroinflammation die mentale Energie und zwingt sie gleichzeitig dazu, die verbleibende Kraft in eine Fassade aus Jugendlichkeit und Fitness zu investieren.

Solange Sie keine unternehmerische oder sozialaktive, aktivistische Präsenz haben, sollte Social Media für private Zwecke möglichst gemieden werden.
Es mag ihnen vielleicht übertrieben erscheinen. Dennoch lege ich Ihnen ans Herz, regelmässig digitalen Detox zu betreiben und kreativ tätig zu sein. Tätigkeiten die ihre Seele nähren. (Ich zB male sehr gerne, schreibe gerne Gedichte. Verdiene ich damit Geld? Nicht unbedingt. aber in Zeiten, in denen Elon Musks und Jeff Bezoses zum Erfolgsmaßstab werden, müssen wir unsere nährenden Leidenschaften aufrecht erhalten und viele digitalen Bequemlichkeiten unbedingt „analogisieren“.

Sind Sie von chronischer Erschöpfung betroffen? Schauen Sie sich gerne meine Angebote an.

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC416440

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9174654

Warum Erschöpfung bei Frauen so oft übersehen wird

Die Blutwerte stimmen, aber du bist immernoch jeden Tag auf Sparflamme unterwegs.

Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein, und du bildest dir nichts ein. Die aktuelle Forschung zu chronischer Erschöpfung bei Frauen zeigt gerade, wie viele blinde Flecken es in der Diagnostik noch gibt, und liefert gleichzeitig neue Ansatzpunkte, warum Frauenkörper hier eine eigene Betrachtung brauchen. Einfach nur der Stress und die Doppelbelastung alleine als Begründung ist etwas zu kurz gegriffen. Natürlich hat man bei der Frau diesen Aspekt auch, aber es ist nicht nur das.

Der Zusammenhang zwischen Wechseljahren und chronischer Erschöpfung

Im Mai 2026 veröffentlichte ein Forschungsteam der University of Salford (Humphreys et al.) eine Übersichtsarbeit, die erstmals systematisch untersucht hat, wie Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) und die Menopause zusammenhängen. Das Ergebnis war offensichtlich ernüchternd, denn Studien dazu gab es sehr wenige.

Was sich aber trotz der dünnen Studienlage klar zeigte:
Frauen mit ME/CFS berichteten deutlich häufiger von starken Regelschmerzen und -blutungen, Endometriose-Diagnosen und damit verbundenen Operationen als Frauen ohne die Erkrankung. Und viele Betroffene erlebten, dass sich ihre Erschöpfungssymptome mit Eintritt in die Wechseljahre verschlimmerten, subjektiv berichtet, aber konsistent genug, um aufzuhorchen.

Die Autor*innen ziehen daraus einen klaren Schluss, die gynäkologische Vorgeschichte gehört in jede Anamnese bei chronischer Erschöpfung, gerade weil sie in der bisherigen Forschung so stark vernachlässigt wurde.

Warum ein einzelner Bluttest zu kurz greift, die MELLOW-Studie

Parallel dazu läuft aktuell die MELLOW-Studie (ME/CFS + Long COVID Longitudinal Omics and Women’s Health), ein Forschungsprotokoll, das Anfang 2026 in npj Women’s Health veröffentlicht wurde. Ihr Ansatz ist deshalb bemerkenswert, weil sie zum ersten Mal nicht nur einen einzelnen Hormonwert an einem einzelnen Tag misst, sondern Hormonverläufe über den gesamten Menstruationszyklus und den Tagesrhythmus hinweg erfasst, bei Frauen im reproduktiven Alter mit ME/CFS, Long Covid und gesunden Kontrollen.

Im Zentrum stehen Cortisol, Aldosteron und DHEA, Hormone, die als schwankende endokrine Marker gelten und deren Zusammenspiel bislang kaum im zeitlichen Verlauf untersucht wurde. Die Grundannahme der Studie, weiblicher Körper bedeutet nicht nur andere Hormonwerte, sondern andere Rhythmen, in denen sich Erschöpfung zeigt.

Für die Praxis heißt das, eine punktuelle Momentaufnahme im Labor kann leicht ein völlig falsches Bild ergeben, wenn sie den Zyklus nicht mitdenkt.

Was ältere Forschung schon andeutete

Diese neuen Arbeiten stehen nicht im luftleeren Raum. Bereits 2011 zeigte eine Studie von Boneva und Kolleg*innen (Journal of Women’s Health), dass Frauen mit chronischem Fatigue-Syndrom in ihrer gynäkologischen Vorgeschichte auffällig häufiger von Beckenschmerzen, Endometriose und unregelmässigen Zyklen berichteten als Frauen ohne diese Symptomatiken. Diese ältere Studie wird in der neuen Salford-Studie von 2026 explizit als eine der wenigen bestehenden Arbeiten zu diesem Thema zitiert, ein Hinweis darauf, wie wenig sich in 15 Jahren an der Forschungslücke geändert hat.

Auch die Rolle der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) wurde 2024 in einem Übersichtsartikel (Zhang & Wang, Frontiers in Endocrinology) noch einmal zusammengefasst, mit dem Befund einer typischerweise abgeschwächten Cortisol-Tagesrhythmik und einer veränderten Stressantwort bei Menschen mit chronischer Erschöpfung.

Die Zahlen für Deutschland

Wie verbreitet ist das Problem überhaupt? Die RKI-Studie GEDA 2023 liefert hierzu die aktuellsten bevölkerungsbasierten Daten. Demnach liegt die Fatigue-Prävalenz bei Erwachsenen in Deutschland bei 29,7 Prozent, am höchsten bei den 18- bis 29-Jährigen. Frauen haben dabei ein signifikant höheres Risiko als Männer, ein um 19 Prozent erhöhtes relatives Risiko, unabhängig von Alter, Bildung, chronischen Erkrankungen oder Depressivität.

Was das für dich bedeutet

Diese Studienlage bestätigt etwas, das viele Frauen mit chronischer Erschöpfung längst am eigenen Körper spüren, Erschöpfung ist selten eine Frage eines einzelnen Laborwerts. Sie entsteht im Zusammenspiel aus Hormonachse, Zyklus, Nervensystem und oft auch gynäkologischer Vorgeschichte, die in der bisherigen Diagnostik kaum systematisch erfasst wird.

Genau deshalb lohnt sich ein Blick, der weiter geht als der Standardbefund.Der eben den Zyklus mit einbezieht, die HPA-Achse berücksichtigt und die individuelle Konstitution einbezieht. Das alte Wissen hat hier auch viel zu bieten und ergänzt die Thematik ganz wunderbar.

Möchtest du herausfinden, wo dein Körper aktuell steht?

Schreib mir dafür gerne einfach .


Quellen

Humphreys, G., Berry, E., Hayes, L.D., Jensen, S., Moodley, R., Gillman, J.C., Sanal-Hayes, N.E.M. (2026): Myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome and menopause: a scoping review. DOI: 10.1080/21641846.2026.2671625

Thomas, N., Huang, K., Schneider-Futschik, E.K. et al. (2026): A chronobiology-based protocol for multi-omic mapping of menstrual cycle and diurnal rhythms in ME/CFS and long COVID. npj Women’s Health, 4, Artikel 3. DOI: 10.1038/s44294-025-00120-9

Boneva, R.S., Maloney, E.M., Lin, J.-M., Jones, J.F., Wieser, F., Nater, U.M., Heim, C.M., Reeves, W.C. (2011): Gynecological History in Chronic Fatigue Syndrome: A Population-Based Case-Control Study. Journal of Women’s Health, 20(1), 21–28. DOI: 10.1089/jwh.2009.1900

Zhang, Y.-D., Wang, L.-N. (2024): Research progress in the treatment of chronic fatigue syndrome through interventions targeting the hypothalamus-pituitary-adrenal axis. Frontiers in Endocrinology, 15, Artikel 1373748. DOI: 10.3389/fendo.2024.1373748

Poethko-Müller, C., Schaffrath Rosario, A., Sarganas, G., Ordonez Cruickshank, A., Scheidt-Nave, C., Schlack, R. (2024): Fatigue in der Allgemeinbevölkerung: Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2023). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz. DOI: 10.1007/s00103-024-03950-1

Der Darm ist bei chronischer Erschöpfung kein Nebenschauplatz

Ich halte nichts davon, dem Darm überall die Schuld zu geben, das ist mir oft zu einfach. In vielen Fällen ist er nur ein Teil des Problems. Aber als zentraler Alchemist des Körpers und Sitz von 70-80% unserer Abwehrkräfte spielt er eben doch eine Schlüsselrolle. Auch beim Thema ME-CFS. Eine sehr interessante Studie bestätigt die Rolle des Darmes eben doch. Dazu weiter unten mehr!

Der Darm und die Bedeutung in den Traditionen der Heilkunde (Und Beispiele für Therapieansätze)

Der Darm spielt in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) eine zentrale Rolle für die ganzheitliche Gesundheit. In beiden Systemen ist er nicht nur ein Verdauungsorgan, sondern ein entscheidender Faktor für das seelische und körperliche Wohlbefinden

Abonnieren, um weiterzulesen

Werde ein zahlender Abonnent, um Zugriff auf den Rest dieses Beitrags und weitere exklusive Inhalte für Abonnenten zu erhalten.

Wenn die Gehirn-Müllabfuhr bei Fatigue nicht mehr funktioniert

Erschöpfung hat etwas mit unserem Gehirn zu tun. Wir haben in unserem Gehirn eine „Müllabfuhr“, so wie wir es im Körper auch haben. Ganz gute und fein abgestimmte Mechanismen räumen in unserem Gehirn im Tiefschlaf auf. Forschungen zeigen dass bei einem CFS dieser Mechanismus nicht so optimal abläuft. Dafür gibt es verschiedene Thesen. Auf Diese möchte ich eingehen.

Das glymphatische System, das Müllabfuhr-Netzwerk deines Gehirns

Unser Gehirn hat ein eigenes Reinigungssystem, das sogenannte glymphatische System. Es wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt und wird vor allem im Tiefschlaf aktiv. In dieser Phase weiten sich winzige Kanäle entlang der Blutgefäße, und Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) spült Stoffwechselabfälle, etwa ein Protein Namens Amyloid-Beta, aus dem Nervengewebe. Tagsüber, wenn wir wach sind, ist dieses System weitgehend inaktiv, deshalb ist erholsamer, tiefer Schlaf so entscheidend, und deshalb wirkt sich schlechter Schlaf so unmittelbar auf Kopf und Körper aus.

Was die neue Studie zeigt

In der aktuellen Untersuchung wurden 31 Menschen mit ME/CFS und 27 gesunde Kontrollpersonen per MRT untersucht. Das Ergebnis: Bei den ME/CFS-Patienten war die glymphatische Funktion messbar reduziert, besonders in der rechten Hirnhälfte. Die Forscher fanden zudem einen Zusammenhang zwischen dieser eingeschränkten „Müllabfuhr“ und dem Ausmaß von Schlafstörungen sowie kognitiven Problemen, also genau dem Brain Fog, von dem in meiner Praxis erzählt wird.

Das Besondere daran, zum ersten Mal lässt sich dieser Zusammenhang bildgebend, also objektiv messbar, darstellen. Bisher galt Brain Fog bei ME/CFS oft als rein subjektives Symptom, schwer greifbar für Außenstehende und manchmal sogar für Ärzt:innen. Eine MRT-Aufnahme, die eine reduzierte Drainage zeigt, verändert diese Wahrnehmung. Es gibt endlich mal einen messbaren, physiologischer Vorgang zum Thema CFS und dem Gehirn.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine vorläufige Studie mit kleiner Stichprobe. Sie liefert erste, ernstzunehmende Hinweise, ist aber kein endgültiger Beweis. Weitere Forschung mit größeren Gruppen muss folgen. Genau das macht sie aber auch spannend, sie öffnet eine neue Perspektive auf ein Phänomen, das bisher schwer objektivierbar war.

Die „Stau“-Hypothese

Wenn die Drainage nicht funktioniert, insbesondere nach viralen Infekten wie bei Long-COVID, könnte sich also toxischer Abfall im zentralen Nervensystem anstauen. Das würde chronische, niedriggradige Entzündungen begünstigen, ein Mechanismus, der auch die gefürchtete Post-Exertional Malaise (PEM) erklären könnte, also die Verschlechterung der Symptome nach kleinster Belastung.

Was das für die Praxis bedeuten kann

Auch wenn die Forschung zu konkreten Therapien noch am Anfang steht, gibt es bereits Ansätze, die genau hier ansetzen, sanfte manuelle Lymphdrainage-Techniken sowie Thepaien wie zB Neuraltherapien, die entstauend wirken und den Liquorfluss , die Regeneration im Tiefschlaf unterstützen sollen. Das deckt sich mit dem, was ich in meiner Praxis immer wieder beobachte: Schlafqualität, Nervensystem-Regulation und Entzündungsreduktion sind zentrale Hebel bei chronischer Erschöpfung. Wer über Jahre im Sympathikus-Modus feststeckt, kommt gar nicht erst in die Tiefschlafphasen, in denen die Gehirnreinigung eigentlich stattfinden sollte, ein Teufelskreis, der sich selbst verstärkt.


Quelle: Thapaliya, K. et al. (2026). Disrupted glymphatic function and its relationship with sleep and cognitive impairment in ME/CFS assessed via DTI-ALPS. Frontiers in Neuroscience. DOI: 10.3389/fnins.2026.1875420

Wenn das PMS ein Erschöpfungs-Loch in deine Energiereserve reisst

Ein paar Tage vor der Periode fühlt sich bei vielen Frauen der Körper plötzlich so schwer an. Selbst alltägliche Aufgaben kosten plötzlich unnormal viel Überwindung, und das Gehirn läuft wie durch dichten Nebel. Man kann das tatsächlich einen kurzweiligen, zyklusbedingten Fatigue nennen. Doch warum ist das so? Schauen wir uns die Biochemie an.


Die Biochemie: Warum der Körper biologisch auf „Stand-by“ schaltet

Nach dem Eisprung stellt sich der Körper in der zweiten Zyklushälfte auf Hochtouren um. Findet keine Befruchtung statt, folgt ein biochemischer Sturzflug, der die Energiereserven bei vielen Betroffenen angreift.

1. Der hormonelle Entzug (Östrogen-Sturz)

In der ersten Zyklushälfte sorgt das Hormon Östrogen für einen echten Energieschub: Es verbessert die Sauerstoffaufnahme der Zellen und aktiviert den Stoffwechsel. Nach dem Eisprung sinkt der Östrogenspiegel jedoch drastisch. Für den Körper fühlt sich das an wie ein kalter Entzug. Ohne den hormonellen Rückenwind schaltet der Stoffwechsel plötzlich um.

2. Die Progesteron-Falle

Das dominierende Hormon der zweiten Zyklushälfte ist Progesteron. Grundsätzlich ist es ein tolles Hormon, denn es wirkt beruhigend und angstlösend. Doch wenn der Körper auf diesen Umschwung besonders empfindlich reagiert – wirkt Progesteron wie ein natürliches Schlafmittel. Es verlangsamt die Reaktionszeiten und sorgt für diese bleierne, sedierte Müdigkeit am helllichten Tag.

3. Der Serotonin-Mangel stört den Schlaf

Mit dem sinkenden Östrogenspiegel stürzt auch das Serotonin ab. Da Serotonin die Vorstufe für unser Schlafhormon Melatonin ist, gerät die nächtliche Regeneration aus dem Ruder. Viele Frauen schlafen vor den Tagen trotz extremer Müdigkeit schlechter ein, wachen häufiger auf oder haben weniger Tiefschlafphasen. Frauen wachen also morgens schon erschöpft auf.

4. Zellen im Energiemangel

Die hormonellen Schwankungen beeinflussen natürlich, wie die Zellen die Energie verarbeiten. Der Blutzuckerspiegel gerät in dieser Phase leichter ins Wanken. Es kommt zu schnellen Unterzuckerungen, die sich als plötzliche, akute Schwächeanfälle und Heißhungerattacken bemerkbar machen. Der Körper verlangt nach schneller Energie (Zucker), die das Tief nach einem kurzen Hoch aber nur noch verschlimmert. Vor allem bei Progesteronmangel in der Peri- oder Menopause.


Die seelische Dynamik

Abonnieren, um weiterzulesen

Werde ein zahlender Abonnent, um Zugriff auf den Rest dieses Beitrags und weitere exklusive Inhalte für Abonnenten zu erhalten.

ADHS,AuDHD bei Frauen und Erschöpfung-Ein Thema mit dringendem Aufklärungsbedarf

Erschöpft. Überfordert. Missverstanden. Und lange nicht gewusst warum

Jahrzehnte der Anpassung, des Funktionierens nach außen, der inneren Erschöpfung. Irgendwann, oft erst in den 30ern, 40ern oder rund um die Perimenopause, kommt eine Diagnose, die alles auf einmal erklärt: Autismus ,ADHS, oder beides kombiniert. Im englischsprachigen Raum abgekürzt als ADHS, AuDHD .

Eine aktuelle qualitative Studie von Emma Craddock (2024, veröffentlicht im Fachjournal Frontiers in Sociology) hat sich genau damit beschäftigt: Wie erleben spät diagnostizierte Frauen ihr Leben mit einer kombinierten Autismus-ADHS-Diagnose? Die Ergebnisse sind klinisch hochrelevant, und ich möchte sie dir heute erklären, denn sie betreffen viele Frauen, die wegen chronischer Erschöpfung zu mir kommen.


Was bedeutet AuDHD?

Seit 2013 ist es möglich, gleichzeitig Autismus und ADHS diagnostiziert zu bekommen. Vorher war das offiziell ausgeschlossen. Studien zeigen, dass 40 bis 70 Prozent der Menschen mit Autismus auch ADHS haben, und 20 bis 50 Prozent der Menschen mit ADHS auch autistische Züge aufweisen. Es handelt sich also nicht um eine Seltenheit, sondern um ein häufiges, lange übersehenes Muster.

Bei Frauen kommt hinzu, dass beide Diagnosen historisch auf der Basis männlicher Symptombilder entwickelt wurden. Die Forschung hat Frauen jahrzehntelang ausgeblendet. Das Ergebnis: Frauen mit AuDHD werden im Schnitt deutlich später diagnostiziert als Männer, wenn überhaupt.


Was die Studie zeigt

Craddock befragte sechs spät diagnostizierte AuDHD-Frauen im Alter von 34 bis 55 Jahren in langen qualitativen Interviews. Drei zentrale Erfahrungsmuster traten deutlich hervor.

1. Weiblichkeit und Neurotypizität gelten als untrennbar

Die Gesellschaft erwartet von Frauen ein hohes Maß an sozialer Anpassung, Einfühlungsvermögen und emotionaler Regulierung, also genau das, was für AuDHD-Frauen besonders herausfordernd ist. Weil viele Frauen diese Erwartungen durch enormen inneren Aufwand erfüllen (oder zu erfüllen scheinen), fällt die Neurodivergenz nicht auf. Sie werden nicht als „auffällig“ wahrgenommen, sondern als „komisch“, „empfindlich“ oder „schwierig“.

Das bedeutet: Das soziale Geschlechterbild schützt nicht vor den Auswirkungen von AuDHD. Es macht sie unsichtbar, und damit unbehandelt.

2. Maskieren hat einen hohen Preis

Maskieren (englisch: masking) bezeichnet die bewusste oder unbewusste Anpassung des eigenen Verhaltens an neurotypische Normen. Die Studie zeigt: Für AuDHD-Frauen ist Maskieren oft kein freiwilliges Werkzeug, sondern eine gelernte Überlebensstrategie.

Die Kosten sind enorm. Die Teilnehmerinnen berichteten von tiefer innerer Erschöpfung, Identitätsverlust und psychischen Folgeschäden. Und umgekehrt, wenn das Maskieren einmal nicht funktionierte oder nachließ, wurden sie sozial abgestraft: für Ehrlichkeit, für Direktheit, für das, was sie eigentlich sind.

Aus klinischer Sicht ist diese Form der chronischen Erschöpfung nicht mit allgemeinem Burnout gleichzusetzen. Sie hat eine spezifische neurobiologische und biographische Dimension, die in der Behandlung berücksichtigt werden muss.

3. Die Perimenopause als Kipppunkt

Abonnieren, um weiterzulesen

Werde ein zahlender Abonnent, um Zugriff auf den Rest dieses Beitrags und weitere exklusive Inhalte für Abonnenten zu erhalten.

Vücudun bir makine değil, o bir caz topluluğu

Hepimizin bildiği makine modeli

Vücut hakkında belirli bir anlayışla büyüdük: Onarılabilen, tek tek parçalardan oluşan bir cihaz. Yorgun musun? Demir eksikliğini gider. Tükenmişlik mi? Daha fazla uyu. Hormon seviyeleri düşük mü? Takviye et, bitti.

Bu makine düşüncesi bize elbette çok şey kazandırdı! Antibiyotikler, cerrahi, laboratuvar testleri gibi değerli, hayat kurtaran ve yaşamı sürdüren kazanımlar bunların başında geliyor. Ancak kronik süreçlerde farklı, daha bireysel bir bakış açısı gerekiyor. İbn-i Sina ve Paracelsus gibi eski bilgeler bunu zaten kavramıştı. Kronik yorgunlukta da bu modelin sınırlarına gelip dayanıyoruz. Çünkü yıllarca yorgun olan biri, çoğunlukla her şeyi „onarmış“ ama yine de daha iyi hissetmemiştir.

Yeni bilimin gösterdikleri

Moleküler biyolog Ewa Grzybowska bunu çok yerinde bir benzetmeyle ifade ediyor: Bir zamanlar hassas bir moleküler fabrika olarak düşünülen canlı hücre, aslında doğaçlama yapan bir caz grubu gibi davranıyor.

„Genler birer plan değil, hücreler tarafından sürekli yorumlanan metinlerdir.“

Bir gen, bir protein, bir işlev anlayışına dayanan eski dogma çoktan aşıldı. Proteinler şekillerini değiştirebilir, işlevlerini uyarlayabilir, hatta yapısız kalarak bile etki gösterebilir. İçsel olarak yapılandırılmamış proteinler (IDP’ler) kavramı bunu açıkça ortaya koyuyor: Esneklik sistemdeki bir hata değil, sistemin ta kendisi.

Epigenetik de bunu doğruluyor: Genler yalnızca okunmaz, çevre koşullarına, strese, uykuya, beslenmeye, duygusal duruma ve hatta atalarımızın yaşadığı deneyimlere göre yorumlanır.

Bu neden kronik yorgunluk için bu kadar önemli?

Kronik yorgunluk yaşayan biri nadiren yalnızca tek bir sorun taşır. Her şey birbirini etkiler: Oksidatif stres altındaki mitokondri, hassas bir denge içindeki hormonlar, bağışıklık sistemini her gün yeniden şekillendiren bağırsak mikrobiyomu, geçmiş yüklere tepki veren sinir sistemi ve kortizol eğrisi.

Yorgun bir vücut doğaçlama yapar. Enerjiyi yeniden dağıtır, hayatta kalmayı önceliklendirir, hayati olmayan her şeyi kısıtlar. Bu bir arıza değil, bir koruma tepkisidir.

Kronik yorgunluk, sistemin bir mesajıdır.

Bütünü anlamadan yalnızca tek tek parametreleri „onarmak“, vücudun zekasına karşı çalışmaktır, onunla değil.

Muayenehanemdeki yaklaşımım

İşte tam da bu yüzden Erschöpfung (Tükenme) Kliniğimde kontrol listesiyle değil, bütünsel tabloyla çalışıyorum.

Ortomoleküler tıbbı, hormon durumu değerlendirmesini, bağırsak tanısını ve infüzyon tedavisini, anayasa tıbbıyla (konstitüsyon tıbbı) birleştirerek kişiselleştirilmiş bir tedavi konsepti oluşturuyorum. Vücudun bir makine olmadığı gibi, standart bir onarım da söz konusu olamaz.

Kaynaklar & İleri Okuma

Grzybowska, E. A. (iai news, 2024): Organisms, not machines
Tompa, P. (2010): Structure and Function of Intrinsically Disordered Proteins
Carey, N. (2011): The Epigenetics Revolution

Dein Körper ist keine Maschine, er ist ein Jazz-Ensemble

Das Maschinenmodell, das wir alle kennen

Wir sind aufgewachsen mit einer bestimmten Vorstellung vom Körper: Ein Gerät mit Einzelteilen, das man reparieren kann.
Müde? Eisenmangel beheben. Erschöpft? Mehr schlafen. Hormonspiegel niedrig? Auffüllen und fertig.

Dieses Maschinendenken hat uns ja auch viel gebracht! Wertvolle, lebensrettende und erhaltende Errungenschaften wie zum Beispiel Antibiotika, Chirurgie, Labortests. Aber bei chronischen Verlaufsformen gehört eine andere Sicht, individuellere Sicht dazu. Alte Weise wie zB Avicenna, Paracelsus, erkannten das.
Auch bei chronischer Erschöpfung stößt es an seine Grenzen. Denn wer jahrelang erschöpft ist, hat meistens schon alles „reparieren“ lassen und sich trotzdem nicht besser gefühlt.

Was die neue Wissenschaft zeigt

Die Molekularbiologin Ewa Grzybowska bringt es treffend auf den Punkt: Die lebende Zelle, einst als präzise molekulare Fabrik gedacht, erweist sich als improvisierende Jazz-Kapelle.

„Gene sind keine Baupläne, sondern Texte, die von den Zellen fortlaufend interpretiert werden.“

Das alte Dogma, ein Gen, ein Protein, eine Funktion, ist längst überholt. Proteine können ihre Form wechseln, ihre Funktion anpassen, oder sogar strukturlos bleiben und trotzdem wirken. Das Konzept der intrinsisch unstrukturierten Proteine (IDPs) zeigt: Flexibilität ist kein Fehler im System, sie ist das System.

Auch die Epigenetik bestätigt: Gene werden nicht einfach abgelesen, sie werden interpretiert, je nach Umfeld, Stress, Schlaf, Ernährung, emotionalem Zustand und sogar gelebten Erfahrungen unserer Vorfahren.

Warum das auch für chronische Erschöpfung so wichtig ist

Wer unter chronischer Erschöpfung leidet, trägt selten nur ein einzelnes Problem. Es ist ein Zusammenspiel: Mitochondrien, die unter oxidativem Stress leiden. Hormone, die in einem fein abgestimmten Gleichgewicht stehen. Ein Darm-Mikrobiom, das das Immunsystem täglich mitgestaltet. Nervensystem und Cortisolkurve, die auf frühere Belastungen reagieren.

Ein Körper, der erschöpft ist, improvisiert. Er verschiebt Energie, priorisiert Überleben, drosselt alles Nicht-Essenzielle. Das ist keine Fehlfunktion, das ist eine Schutzreaktion.

Chronische Erschöpfung ist eine Botschaft des Systems.

Wenn wir nur einzelne Parameter „reparieren“, ohne das Gesamtsystem zu verstehen, arbeiten wir gegen die Intelligenz des Körpers, nicht mit ihr.

Mein Ansatz in der Praxis

Genau aus diesem Grund arbeite ich in der Praxis für Erschöpfung nicht mit Checklisten, sondern mit dem Gesamtbild.

Ich kombiniere orthomolekulare Medizin, Hormonstatus, Darmdiagnostik, Infusionstherapie mit der Konstitutionsmedizin zu einem individualisierten Behandlungskonzept. Weil Dein Körper keine Maschine ist, gibt es auch keine Standard-Reparatur.

Quellen & weiterführende Literatur

Grzybowska, E. A. (iai news, 2024): Organisms, not machines

Tompa, P. (2010): Structure and Function of Intrinsically Disordered Proteins

Carey, N. (2011): The Epigenetics Revolution

Erschöpfung ist selten allein

Über Komorbiditäten , die oft gemeinsam mit einer ME/CFS auftreten

Bei ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) und anderen Erschöpfungserkrankungen gibt es häufig eine Vielzahl von Begleiterkrankungen, sogenannte Komorbiditäten. Diese überschneiden sich in ihren Symptomen oft so stark, dass sie einzeln schwer zu erkennen sind. Genau deshalb ist ein integratives Arbeiten und interdisziplinäre, ganzheitliche Diagnostik so wichtig.

Denn wer nur das Symptom behandelt, verpasst die Ursache.

Die häufigsten Komorbiditäten bei chronischer Erschöpfung

Abonnieren, um weiterzulesen

Werde ein zahlender Abonnent, um Zugriff auf den Rest dieses Beitrags und weitere exklusive Inhalte für Abonnenten zu erhalten.

Für mehr Energie | Heilpraktikerin-Apothekerin Öznur Acar

Wissenschaft trifft Tradition

Zum Inhalt springen ↓