Allgemein, Darmgesundheit

Bitter ist das neue süß

Bei Bitterkräutern fällt mir erst immer die Schafgarbe ein. Schon der Pater Kneipp bezeichnete sie als pragmatische Heilpflanze. Geschätzt hat er diese Pflanze in ihrer vermittelnden Funktion. Jede Mischung soll besser wirken, wenn die Schafgarbe drinnen ist. Auch die Heilige Hildegard von Bingen wusste von den vielseitigen Wirkungen. Vor allem die heilende Wirkung auf Wunden; ob es nun seelische oder körperliche Wunden sind.
Die Schafgarbe hat vielerlei Wirkungen. Vor allem die Wirkung auf den Verdauungstrakt , die wir auf die wertvollen Bitterstoffe zurückführen können.
Allerdings haben Bitterstoffe keine große Beliebtheit in der Nahrungsmittelindustrie.
Besonders bedauernswert ist dass die Nahrungsmittelindustrie Bitterstoffe sogar aus gewissem Gemüse rauszüchten lässt. Unsere Geschmacksknospen werden nur auf süß und salzig eingestellt. Die wichtige Wirkung von bitteren Stoffen über die Mundschleimheit fällt leider immer öfter weg.

(Bild:Canva Design)


Bitter macht klar und munter!


Auch ich muss im Laufe meiner Praxis-Erfahrungen feststellen, dass viele Patienten sich querstellen und die Compliance – was die Einnahme von Bitterstoffen anbelangt- dadurch sinkt. Dabei sind Bitterstoffe ein Segen! Sie aktivieren die Verdauung, indem sie auf entsprechende Organe wie zB Magen, Leber, Galle, Pankreas wirken. Die wichtigen Verdauungssäfte werden reguliert und die Aufnahme wichtiger Nährstoffe optimiert.Die Schleimhäute des Magen- Darm -Traktes werden gepflegt. Übermässiger Schleim wird ausgeleitet, die Lymphe verflüssigt sich. Und ein sehr guter Nebeneffekt ist dass ein entsäuernder Effekt eintritt, indem ein basischeres Milieu erzeugt wird. Die Leber entgiftet besser; alle Prozesse die in der Leber ablaufen optimieren sich.
Die Lust auf Süßes verschwindet. Und sie nehmen geschmacklich intensiver wahr.

Bitterstoffe schärfen unseren Verstand und die Wahrnehmung.

Wundert einen auch nicht; sie beeinflussen unseren Darm- also das „Bauchhirn“– und wir wissen alle dass dieser in Verbindung mit unserem Gehirn steht.
Das Nächste ist dass sie „ihre Komfortzone“ verlassen und sich auf den zunächst unangenehmen Geschmack einlassen. Aber einmal sich daran gewöhnt, werden Sie es nicht missen wollen.

Sehr wichtig ist, die Bitterstoffe ordentlich einzuspeicheln und erst danach runterzuschlucken. Sie sollten auch viel nachtrinken!

Denn ohne das Nachtrinken, ist es so ähnlich wie mit ihrer Waschmaschine: Nur das Waschpulver alleine genügt eben nicht. Der Waschvorgang braucht auch Wasser.

Welche Bitterstoffe es gibt


Es gibt nicht nur viele Bitterstoffe; es gibt auch Bitterstoffe die etwas unterschiedlich wirken.
►Es gibt Bitterstoffe die eher wärmen und übermässige Feuchte austrocknen (zB. Ingwer, Wermut, Curcuma, Angelikawurzel, Cardamom).
►Es gibt Bitterstoffe die auch innerlich befeuchten (Mariensistelsamen, bitterer Fenchel, Lavendel) .
Ich bevorzuge eine gute Mischung von Allem.
Dann gibt es noch Nutzpflanzen die bitter sind, die wir unbedingt öfter mit einbauen sollten in die Ernährung wie zB. Löwenzahn, Artischocke, Chiccoree (der wirklich bitter ist!), Radiccio.

Ich berücksichtige da auch aus abendländischer Sicht verschiedene Temperamente und entscheide dann welches Bittermittel bevorzugt wird.

Zum Beispiel ist es für ausgeprägt melancholische Temperamente nicht gut, gleich mit Bitterstoffen ranzugehen, die eher Feuerqualität haben . Dadurch sorgen wir dafür dass sie noch mehr „austrocknen“.
Diese Konstitutionen sollten erst von innen her „befeuchtet“ werden.
Wie eine Blumenerde, die kein Wasser aufnehmen kann wenn sie zu sehr ausgetrocknet ist. Man muss sie also erstmal bearbeiten um sie aufnahmefähig zu machen. Gleichzeitig darf so ein Patiententyp aber auch nicht abkühlen, was ein schwieriges Unterfangen ist.


Ich suche mir die Mischung entsprechend aus. Für mich sollte es eine gute Mischung aus Pflanzen sein, die eine ausgewogene Wirkung haben.



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